Greentown Jazzband spielt mit der ganzen Bandbreite der Gefühle

Dass die Greentown Jazzband etwas drauf hat, steht außer Frage. „Man muss schon taub sein, wenn man das nicht hört“, fasst es ihr Konzertmanager lachend zusammen. Es ist gerade Pause bei dem Auftritt der slowenischen Formation im Stöffel-Park in Enspel. Das Publikum ist zufrieden, freut sich bei einem Glas Bier oder Wein bereits auf die Fortsetzung der schwungvollen Unterhaltung. „Ich habe schon lange kein so gutes Konzert mehr gehört“, sagt ein Fan dieses musikalischen Genres. Und wer nicht gerade zu der Gruppe der unverbesserlichen Jazzfeinde gehört, muss seine Wertschätzung teilen. Bereits die ersten Klänge, die an diesem späten Vormittag die Luft in Wallung bringen, gleichen einem Weckruf. Diesen akustischen Kneippguss verabreichen Bandleader und Klarinettist Bodo Bucar und fünf weitere Musiker mit Trompete, Posaune, Bass, Piano und Schlagzeug. Sie sind übrigens nicht zum ersten Mal im Westerwald zu Gast.

Von leicht bis schwermütig – es war alles dabei

Jazz, Blues, Swing, Dixieland gehören zum Repertoire der 1982 gegründeten Band, die in der Alten Schmiede sehr gut ohne Verstärker auskommt. Das Stück „Indiana“ nutzen die Musiker, um sich in einem Reigen solistisch vorzustellen. Überschäumende, freche Lebensfreude ist in „Ain’t She Sweet“ zu hören, bei dem bluesigen „Creole Love Call“ (Duke Ellington) durchlaufen die Darbietungen der Instrumentalisten verschiedene Gefühlslagen von leicht bis schwermütig: sie erzählen und rufen, zaudern, schleppen sich, zwitschern und ziehen. Kein Stück wurde hier ohne mannigfaltigen Zwischenapplaus gespielt.

Zum Weinen schön

Herausragend ist die Ballade aus den 1920er Jahren: „Black and Blue“ (Fats Waller). Bucar beginnt sie mit einer samtweichen Klarinette, der mal der Bass zur Seite steht, mal das Schlagzeug. Die Trompete übernimmt, steigert sich zu ohrenbetäubendem Rufen. Die Instrumente klagen und schreien, dass es schon unerhört ist – und zum Weinen schön. Der Klarinettist lässt das Stück so leise und rau enden, dass das Filmrauschen alter Schwarzweißfilme vor Augen auftaucht und der Nieselregen einzusetzen scheint ... Lautmalerisch. Die sechs Musiker sind weit davon entfernt, nur zu unterhalten, aber das können sie natürlich auf das Beste – etwa mit „China Boy“, „It’s a Long Way to Tipperary“, „Bei mir bist du schön“.

Ein musikalischer Genesungsgruß an Kulturreferent Joachim Wirth

Unter den mehr als 40 Besuchern war auf eine besondere Weise auch der Kulturreferent der VG Westerburg präsent: Joachim Wirth hatte zwar eine schwere Erkrankung am Kommen gehindert, aber Martin Rudolph, der Geschäftsführer des Stöffel-Parks, berichtete, dass Wirth im Laufe des kommenden Jahres wieder arbeiten könne – und die Greentown Jazzband widmete ihm einen Titel als Genesungsgruß. Der Abschied von der Greentown Jazzband fiel nicht leicht. Mit dem ergreifenden „Mood Indigo“ blieb ein bisschen Wehmut zurück.

zurück